Faszinierende Finsternisse
Was dachten denn die Menschen früher, wenn es am Tag einfach dunkel wurde?

Stell dir das vor: Plötzlich wird es dunkel. Die Sonne verschwindet hinter einem dunklen Kreis. Niemand weiß warum. Niemand weiß, wann es mit der Dunkelheit wieder vorbei ist ...

So müssen die Menschen früher gefühlt haben. Eine Sonnenfinsternis muss damals sehr unheimlich gewirkt haben. Deshalb ist es eigentlich kein Wunder, dass viele alte Völker das Ereignis mit wütenden Göttern und bösen Mächten in Verbindung brachten.

In vielen Ländern glaubte man, die Sonne würde gegessen. In Indonesien, auf der Insel Bali, zum Beispiel, erzählt man, dass der Sterbliche Kala Rau aus Eifersucht auf die Götter einen Plan schmiedet, um das magische Elexier der Unsterblichkeit zu trinken. Er wird jedoch ertappt und die Götter schlagen ihm den Kopf ab, bevor Kala Rau den Trank herunter schlucken kann. Sein Körper stirbt. Doch da er das Zauberelexier schon im Mund hatte, bleibt sein Kopf unsterblich und wandert als Mond im Himmel. Aus Rache jagt Raus Kopf der Sonne nach, in der Hoffnung sie einzuholen und zu verschlingen. Und manchmal gelingt ihm das auch, doch zum Glück verschwindet die Sonne nur kurz, da sie durch das Loch im abgetrennten Hals entfliehen kann.

Nicht ganz so brutal geht es bei den Indern zu. Sie glaubten, ein böses Ungetüm esse die Sonne auf. Aber was denkt ihr was passieren würde, wenn ihr versucht eine brennend heiße Kugel zu schlucken ... Autsch! Das Ungeheuer verbrennt sich an unserer Sonne die Zunge und spuckt sie, dem Himmel sei Dank, wieder aus.

Der Drache des Chaos einiger chinesischer Legenden ist nicht so hitzeempfindlich. Er fängt die Sonne und frisst sie auf. Damit er die Sonne wieder freigibt, muss man angeblich Lärm und Krach machen. Dann speit er die Sonne nämlich wieder aus und verschwindet. Da wir noch immer eine Sonne haben, scheinen die Chinesen ja bisher ganz fleißig gewesen zu sein!

Die Azteken glaubten an einen Schutz-Gott, der ständig mit dem Bösen kämpfte. Manchmal, so glaubten sie, war ihr Gott den bösen Geistern unterlegen, und die sollen dann auf die Erde herab gekommen sein und ihr Unwesen getrieben haben. Dabei verdunkelten sie auch die Sonne. Um ihren Schutz-Gott zu stärken, brachten ihm die Azteken Menschenopfer dar. Dabei wäre die Sonne ja auch so zurück gekommen!

In Simbabwe sagt man die Sonne verfault während einer Sonnenfinsternis und erschafft sich dann neu. Ganz ähnlich sind die Malawischen Mythen, in denen beschrieben wird, dass die Sonne vom Himmel verschwindet, damit sie gereinigt werden kann.

Eins ist jedoch unbestritten: Die romantischste Erklärung des Phänomens findet man in Tahiti. Sonne und Mond sind im Liebesakt versunken und vergessen dabei zu scheinen. Aus ihrer Liebe gehen zahlreiche Kinder hervor: Die Sterne, die nur schwach leuchten und meist von der Sonne überstrahlt werden.


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